Ich will das hier:
Ich will das hier:
Am Strand sitzend, höre ich das Rauschen der Wellen. Ein leichter Wind bewegt die Grashalme, einzelne und doch ein ganzes, die mich umgeben. Julian und mein
Vater spielen vergnüglich im Wasser. Schade, dass ich meinen Bikini nicht dabei habe. Neben mir auf dem
Klettergerüst spielen drei Kinder. Einzelne Gesprächsfetzen der Kleinen dringen zu mir herüber. Der Vater, ein naturbelassener Mann mit langem schwarz-silber gestreiftem Haar gesellt sich zu
ihnen. Ich beobachte das Spiel der vier auf dem Gerüst. Der Mann bemerkt dieses und lächelt mich Kontakt suchend an. Das ist kein Einheimischer, das
bemerke ich sofort. Seine Art ist anders.
Mein Blick wandert zu meiner Hand. Ein Libellenpärchen hat sich auf meine Hand nieder gesetzt. Ich wage es nicht, mich zu bewegen, will ich sie doch nicht bei ihrem Liebesspiel stören. Dann fliegen sie weg, um sich kurz darauf auf meinen Fuß nieder zu setzen. Ich freue mich über den erneuten Besuch. Wie wunderschön die beiden sind. Und wieder sind sie fort, um mich ein erneutes Mal zu besuchen.
Meine Familie kommt aus dem Wasser. Ich muss mich von dem Naturschauspiel verabschieden. Nachdem sie sich bekleidet haben, gehen wir. Ich drehe mich um und verabschiede mich von dem Mann mit seiner Familie. Mein Vater schaut mich verwundert an: „Kennst du die...?“ Lächelnd blicke ich zur Erde und weiß wieder was mir in dieser Stadt fehlte.
Ich sitze in der Kirche, Julian
neben mir. Aufmerksam beobachte ich die Pastorin, die vorne am Altar steht. Ich bemerke wie Julian neben mir hin und her zappelt. Ruhig sitzen war noch nie seine Stärke. Ich liebe diese
Gottesdienste, die so anders sind. Mehr ein Programm moderner Lieder, die die Seele berühren und Geschichten, die zum Nachdenken anregen. Wie die Geschichte vom kleinen Fisch, der sehr neugierig
ist und eines Tages von Wasser hört und dass es wichtig ist. Er fragt viele Fische um Rat, sollen sie ihm doch erklären, was es sei. Doch für die Fische ist das Wasser so selbstverständlich, dass
sie nicht wissen, was es ist. Erst als der Wal ihn an die Wasseroberfläche bringt, er den Meeresspiegel sieht und er keine Luft mehr bekommt. Da erst weiß der kleine Fisch erst, was Wasser ist
und dass es wirklich ganz wichtig ist. Und genauso wie die Fische, vergessen wir auch oft, wie wichtig uns Sachen bzw. Menschen sind, weil sie ständig um uns sind. Wir bemerken es erst, wenn sie
nicht mehr da sind.
Ich steige in den Zug. Meine
Reise geht in den hohen Norden Deutschlands, heim zu meiner Familie. Der Zug ist voll. Ich habe Schwierigkeiten einen Platz zu finden. Endlich, in diesem Abteil sind noch Plätze frei. Eine junge
Frau und zwei Männer begleiten meine Fahrt. Die Frau ist so alt wie ich, ostasiatischer Abstammung. Die beiden Männer, jeweils Deutsche, sind etwas älter. Der eine so um die vierzig, der andere
über fünfzig, vielleicht älter. Kaum sitze ich im Zug, schließe ich die Augen, hatte ich doch kaum geschlafen letzte Nacht. Als ich meine Augen wieder öffne, lächelt mich der vierzigjährige Mann
an, einen Gesprächspartner suchend. Schnell erfuhr ich, dass er der Trainer, des Olympiasiegers in Judo ist. Er selbst war auch schon Goldjudoka in Atlanta und zweifacher Weltmeister.
Interessiert höre ich mir seine Geschichten an. Die Fahrt beginnt spannender als erwartet. Während er kurz verschwindet, komme ich mit der jungen Frau neben mir ins Gespräch. Trotz meines
verbesserungswürdigen Englisch, ist es ein nettes Gespräch. Sie kommt aus Japan und hatte Salzburg zu den Festspielen besucht. Erstaunt bin ich darüber, dass sie ihren Urlaub hier alleine
verbringt. Dann gesellt sich unser berühmter Gast wieder zu uns. Wir führen ein aufregendes Dreiergespräch. Unser vierter Fahrast, nicht so begeistert über unser Reden, will er doch in Ruhe seine
Zeitung lesen, wirft uns ab und zu böse Blicke rüber und schimpft hin und wieder lautstark über die Verspätung des Zuges. Die Zeit vergeht wie im Fluge, und schon sind wir in München. Schade
unser Gespräch ist vorbei. Schnell tauschen wir die E-Mail-Adressen aus, um dann unsere Reise in verschiedene Richtungen weiterzuführen.
Unzufriedenheit, Verzweiflung, Mut gehören dazu, sein altes Leben von heute auf morgen auf den Kopf zu stellen. Flucht vor der Vergangenheit,
Gegenwart und Zukunft. Sehnsucht nach einem besseren Leben. Das soll alles gewesen sein? Jeder gelangt irgendwann in seinem
Leben an einen Punkt, an dem es gilt, wieder mal sein Ich zu verorten. An dem man sich wegwünscht an einem
anderen Ort. Einige tun es auch. So wie ich. Der Aufbruch ins Ungewisse, Neue setzt ungeahnte Energien frei. An einem anderen Ort lässt es sich
unbelasteter starten. Niemand kennt einen, man ist ein unbeschriebenes Blatt und kann seine Rolle neu schreiben. Einige fassen Fuß, andere brechen ab
und gehen zurück. Mein Start ist und war auch nicht der leichteste. Anmeldungsproleme, finanzielle Sorgen, Zimmersuche erschwerten meinen Start. Österreich ist ein beliebtes Auswanderungsziel.
Denn Österreich bietet viel, gemeinsame Sprache, gemeinsame Werte und passable Arbeitssituation. Zufriedenheit stellt sich dann ein, wenn man weiß, was man will, und das gut in Einklang mit
seinem Umfeld bringen kann. Wer bin ich? Was will ich? Was ist mir wichtig? Ist es ein weglaufen?
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